Nutze Deine Umgebung in der Selbstverteidigung

Gewalt passiert nicht in einem Vakuum. Das ist ein Satz, der genau beschreibt, was wir wahrscheinlich alle gerne vergessen.

Wenn wir trainieren, können wir alle Techniken und Lösungen ziemlich ungehindert auf den Matten durchführen und ausleben. Sie funktionieren wunderbar. Durch die ständigen Wiederholungen verinnerlichen wir Bewegungsabläufe, Haltepunkte, Angriffspunkte etc. Die Bewegungen gehen in uns über.

Das Problem hier ist allerdings auch, dass wir uns nur an eine Umgebung gewöhnen. 

In der Realität ist es aber anders. Hier können wir nicht einfach einen Wurf anwenden oder haben nicht die Möglichkeit, jemanden mit einer weit ausführenden Kreisbewegung zu Boden zu bringen. 

Selbstverteidigung in der Realität

Die Realität kann ganz anders aussehen. Es kann eng sein (Fahrstuhl, Toiletten, Straßenunterführungen etc.), voll sein (Kneipe, Konzert, Einkaufspassage etc.) oder auch rutschig nach Regen etc. Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie eine Umgebung uns und unsere Verteidigung beeinflussen kann. 

Das bedeutet jetzt nicht, dass ich Würfe etc. für nutzlos halte, sondern dass wir uns bewusstmachen müssen, dass Training eben nur Training ist.

Während uns unsere Umwelt die Möglichkeiten aber einschränken lässt, eröffnet sie meistens auch andere Gelegenheiten, die man in seine Verteidigung mit einbeziehen kann und auch sollte. 

Es können Gegenstände in unserer Umgebung sein, die wir als improvisierte Waffen nutzen können (Teller, Gläser, Regenschirm, Taschen etc.). Wir können vermutlich aber auch Gegenstände finden, die wir nutzen, um den Bewegungsradius unseres Angreifers einzuschränken, indem wir sie als Hindernisse nutzen. Damit verlangsamen wir das Tempo, mit dem der Angreifer auf uns losgehen kann und verschaffen uns so Zeit, um uns entweder aus der Situation zu lösen oder unsere Verteidigung besser aufzubauen.

Auch haben wir die Möglichkeit, eine drohende Auseinandersetzung zu steuern. Gerade soziale Aggressionen heizen sich emotional auf. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob es gerade jetzt an der Zeit ist, seine Meinung durchzudrücken oder einfach mal „Fünfe gerade sein zu lassen“ und sich zurückzuziehen.

Wenn wir allerdings eine Grenze ziehen, können Situationen gewaltsam eskalieren. Aber auch hier haben wir in der Vorgeschichte noch Zeit unsere Situation günstig zu beeinflussen, bevor es tatsächlich eskaliert. 

Aggressionen sind anfangs nicht immer offen, sondern eher „kantig“. Es wäre hier ein Fehler, den/diejenige(n) anzuschreien sich „zu verpissen“ o.ä. Lieber sollte man hier noch versuchen durch De-Eskalation auf denjenigen einzuwirken und ihn zurück ins rationale Denken zu bringen. 

Sollte es doch zu einer gewaltsamen Eskalation kommen, ist es gut, wenn ich im Vorfeld schon meine Umgebung gescannt habe. Das Nutzen von Stühlen und Tischen bei einer Attacke beispielsweise als Hindernisse ist eine produktive Handlung, die zu einer Lösung führen kann (sich entfernen zu können oder den Angreifer aufzuhalten bzw. zu verlangsamen).

Sofortlösung Selbstverteidigung

Viele wünschen sich immer die Sofortlösung. Die Silberkugel, die den Werwolf tötet. Aber die Wahrheit ist, dass sich Lösungen in gewaltsamen Übergriffen erst nach und nach offenbaren. Wir müssen uns ständig der neuen Handlung und Situation anpassen, oft in Bruchteilen einer Sekunde. 

Wenn wir aber unsere Umgebung mit einbeziehen, kann es uns Zeit verschaffen. Eine Millisekunde hier, eine Millisekunde dort. 

Es ist nicht die Technik, die die Lösung bringt, sondern die Situation bestimmt die Lösung. 

Und jeder hat oftmals die Möglichkeit, sich zu entscheiden, welchen Weg er geht. Deshalb sollte immer die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, einfach mal zu gehen, auch wenn wir beleidigt werden oder uns mal wieder an der Ehre gepackt sehen o.ä.

Es ist immer die Frage, ob man recht haben will oder effektiv ist.

Die Nutzung unserer Umgebung muß aber Bestandteil eines jedes Trainings sein. Es ist essenziell.

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