Der Prozeß, den Attentäter durchlaufen – Teil 1

Nachdem die Polizei am 12.5.2022 einen 16-jährigen Schüler festgenommen hat, der an seiner Schule einen Amoklauf bzw. einen Anschlag verüben wollte, möchte ich hier in mehreren Teilen einen Artikel verfassen, der beschreibt, wie solche Taten zu Stande kommen können. Die Komplexität einer solchen Wahnsinnstat ist nämlich wie alle geplanten Taten ein Prozess. Dieser Artikel soll in keinster Weise etwas entschuldigen, vielmehr können wir durch Kenntnisse, die solche Prozesse zeigen, Präventiv handeln, schneller erkennen, ob etwas falsch läuft und früher intervenieren. Jeder von uns ist verantwortlich für unsere Gesellschaft.


Wir, als Individuum, sind alle geboren mit einer natürlichen Abneigung jemand anderen töten zu wollen. Das ist ganz tief in unserer DNA verankert. Das macht auch Sinn, hätten wir uns ansonsten wegen jedes Streits oder Meinungsverschiedenheit umgebracht. Die Spezies Mensch hätte so nicht überlebt.

Sogar in Extremsituationen tritt diese Abneigung zu Tage. Selbst in einer Situation, in der wir getötet werden können, zögern wir, uns entsprechend zu wehren. Das liegt an dem Überlebensinstinkt unserer Spezies, der hier zu Tage tritt und unseren eigenen, individuellen Überlebensinstinkt überbietet.

Und jemand, der diesen starken Instinkt verändern will, muß sich quasi neu programmieren Dafür muß der zukünftige Täter sich an die extreme Gewalt akklimatisieren. Er muß sich um-erziehen und seine zukünftige Tat nicht nur als gerechtfertigt, sondern auch als notwendig sehen.

So eine Umerziehung kann organisch geschehen, so z.B. das Mobbing-Opfer, das irgendwann massiv zurückschlägt und in seiner Schule zu einem Amoklauf ausrückt, um jeden zu bestrafen.

Oder es kann von anderen fabriziert worden sein, denen er jetzt eine Lektion erteilen will, so z.B. der Terrorist, der eine Institution (z.B. Religion) angreift, weil diese anderen Menschen finanzielles oder soziales Leid etc. angetan haben.

Aber um letztendlich den Entschluss zu fassen, andere gerechtfertigt und notwendig zu töten, braucht es eine Entwicklung, die in fünf Phasen abläuft.

  1. Die Fantasie Phase
  2. Planungsphase
  3. Vorbereitungsphase
  4. Annäherungsphase
  5. Ausübungsphase

Die Fantasie Phase

Die Fantasie Phase ist die Phase, in der die Idee zu töten entsteht. und entwickelt wird. Es ist hier festzuhalten, daß jegliche Form der Gewalt einhergeht mit einem vorangegangenen Gefühl des Nicht-Respektiert-Werdens. Dieses Gefühl kann jeglichen Ursprungs sein.

Eine Person kann so sich nicht respektiert fühlen, wenn sie zu einer religiösen, gesellschaftlichen etc. Minderheit gehört. Es kann auch sein, daß sich die Person innerhalb ihres Berufes bzw. des Betriebes in dem sie arbeitet, nicht respektiert fühlt. Auch innerhalb von Schulen kann so ein Gefühl entstehen, wie man leider immer häufiger liest.

Wie auch immer die Ausgangssituation ist, sie kann zu einem Hassempfinden auf andere führen, so daß die betroffene Person sich eine Situation erarbeitet, die Tötungsabsichten als gerechtfertigt und notwendig erachtet, damit anderen so etwas z.B. nicht mehr passiert. Es wird also ein höheres Gut oder auch Bestimmung erarbeitet, die als Grund und Rechtfertigung für Tötungsdelikte herhält.

CAVE! Das soll in feinster Weise rechtfertigen, daß solche Wahnsinnstaten begangen werden. Es soll aber hier versucht werden, die „Gründe“ solcher Taten herauszufiltern, um zu verstehen, wie Prozesse ablaufen.

Wenn eine Tötungsabsicht erst einmal akzeptiert wurde von der Person, wird sie erkundet. Dieser Prozess birgt auch ein Gefühl des Geniessens, was unser Gehirn wohlwollend zur Kenntnis nimmt und mit einer emotionalen Abhängigkeit reagiert. Diese emotionale Abhängigkeit fordert immer wieder ihren „Stoff“, um befriedigt zu werden, genauso wie ein Drogenabhängiger seinen nächsten Schuß braucht. Und um von einem „High“ zum nächsten zu kommen, wird die Fantasie des Tötens manifestiert, so daß es letztendlich in die Planungsphase übergeht.

Die Planungsphase

In der Planungsphase wird werden konkrete Handlungen, Zeitpunkte etc. herausgearbeitet.

Die Person erarbeitet, wie der Anschlag vonstatten gehen soll. Er setzt sich einen Zeitpunkt, der oftmals detailliert herausgearbeitet wird.
So kann das Datum eine Besonderheit sein, z.B. ein Jubiläum. Das kann hingehen bis zu einer exakten Uhrzeit, weil an diesem bestimmten Tag um exakt dieser Uhrzeit etwas vorgefallen ist, was für die Person wichtig ist.

Auch kann die Person in der Planungsphase Notizen machen, Diagramme zeichnen und auch die bevorstehende Tat mit anderen diskutieren. Das Ziel ist hier Optimierung des Ablaufs, um z.B. einen möglichst hohen Schaden hervorzurufen.

Auch können Dokumente (Schreiben, sog. Manifeste, oder auch Videobotschaften) geplant werden, damit die Welt, um die Ungerechtigkeiten und deren Konsequenz weiß.

Die Planungsphase kann die Fantasiephase noch weiter befeuern, was die emotionale Abhängigkeit weiter befeuert, die zum treibenden Motor wird.

Wenn die Planungsphase vorüber ist, rutscht die Person in die Vorbereitungsphase herein.

Den zweiten Teil dieses Artikel kannst du hier lesen.

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