Messer Kontext

Alles, wirklich alles, funktioniert in seinem eigenen Kontext. Es gibt nicht DAS Selbstverteidigungs- oder Kampfsystem. Auch ist ein Vergleich, welches besser ist, kompletter Blödsinn. Daher kann man getrost die Behauptungen, die einige Personen oder auch Verbände behaupten vergessen.

Wer persönlich schon einmal eine körperliche Auseinandersetzung gehabt hat, wird vielleicht erkannt haben, daß die Dinge, die „sonst immer funktionieren“, auf einmal nicht mehr funktionieren. Und anstatt das Eckige ins Runde drücken zu wollen, sollte man lieber im Training/Unterricht seinen Schülern auch beibringen, Situationen zu verstehen und ihnen dabei helfen, Lösungen zu finden.

Eines vorweg, nicht dass wir uns verkehrt verstehen…Techniken sind eine Säule des ganzen Hauses. Sie sind überlebenswichtig. Aber eben nicht alles. Auf sie verzichten kann man aber nicht, was sie zu den tragfähigen Säulen des Hauses macht. Lerne die Techniken und verstehe sie.

Gewalt ist kontextbezogen und es kann sein, daß die eine Lösung bei einem weiteren Problem nicht mehr funktioniert.

KOntext Messer, Krav Maga Blog

Leider führen wir aber meistens Diskussionen über die Effektivität von Techniken und ihre Wirksamkeit. Aber die Situation bestimmt immer die Lösung, nicht die Technik.

Nehmen wir zum Beispiel einmal einen Messerangriff.

Es wäre zu einfach, zu behaupten, daß ein Messerangriff ein Messerangriff und ein Messerangriff ist.

Messerangriffe sind hochkomplex und können mit hoher Geschwindigkeit ausgeführt werden.

Messerangriff benötigen keine Präzision. Sie sind können einfach schnell viele Wunden zufügen, aus den unterschiedlichsten Winkeln heraus geführt werden.

Es benötigt auch keinerlei Rhythmik.

Auch ist die Situation immer anders. Ist es der tödliche Überfall, indem eine bewaffnete Person beispielsweise bei einem Einbruch gezielt den Hausbewohner ersticht oder ist es ein Terroranschlag, in dem eine bewaffnete Person mit einem Messer innerhalb einer Menschenmenge wütet?

Die unterschiedlichen Motive führen zu unterschiedlichen Situationen, auch wenn das Messer immer als Mittel eingesetzt wird.

Bei einer gezielten Tötung muß sich der Täter auf eine Person gezielt konzentrieren. Bei einem Terroranschlag wechselt die Aufmerksamkeit des Täters in Sekundenbruchteilen immer wieder und er/sie muß sich auf ständig wechselnde Personen konzentrieren.

Wenn man sich eine gezielte Einzeltat ansieht, kann man erkennen, daß sie aus nächster Nähe heraus ausgeführt wird. Meistens ist es ein Hinterhalt (Täter wollen keine Gegenwehr bzw. so wenig „Arbeit“ wie möglich). Auch ist die nicht bewaffnete Hand meist auch mit im Spiel. Sie greift das Opfer, um es aus der Balance zu bringen oder andernweilig zu stören.

Bei einem Terroranschlag mit vielen Menschen, bemerken die Anwesenden sehr schnell, daß etwas furchtbares gerade passiert. Die Menge zerstreut sich dann immer. Das macht es für den Attentäter schwerer und er/sie wird seine Bemühungen noch weiter erhöhen und noch „wilder“ attackieren.

Das sind Realitäten solcher Angriffe.

Die Lösungen zu solchen Situationen sind immer anders. Auch wenn jedesmal ein Messer im Spiel ist.

Nicht alle Angriffe sind gleich. Und selbst wenn sie es wären, kann das Motiv des Täters ein anders sein, was die Natur des Angriffs verändern würde.

Angriffe müssen immer in einen Kontext gesetzt werden, damit wir individuelle Lösungen erarbeiten können. Dazu zählen auch Dinge wie etwas zwischen sich und den Angreifer zu bringen wie einen Stuhl, Tisch, Rucksack etc.

Wir müssen anfangen unser Training in Unterricht zu verwandeln. Selbstverteidigung ist nicht daß bloße Lernen von Techniken. Es ist auch kein Sport und man muß auch nicht währenddessen fit werden, auch wenn es ausserhalb des Unterrichts erstrebenswert ist, seinen Körper, auch aus anderen Gründen heraus, zu trainieren.

Es geht um das Verständnis von Gewalt, die stattfinden wird, ob wir wollen oder nicht. Es geht darum, Verhalten zu verstehen, damit wir eine Lösung drumherum erarbeiten können. Und es geht darum die Natur und die Motive von Gewalt zu verstehen, so daß wir im Falle eines Angriffs so gut es geht uns zur Wehr setzen können.

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