Territorium- und Stammesbewusstsein

Kennst du das? Du siehst, wie jemand von anderen bedrängt wird und der Impuls ist da: Ich will helfen. Aber du tust es nicht? Du zögerst, beobachtest die Situation und es drängt sich immer mehr dieser Impuls auf, helfen zu wollen, aber du tust es immer noch nicht. 

Es ist für ausstehende jetzt leicht, so eine Situation zu bewerten und wahrscheinlich über die Dinge zu reden, die sie wohl gemacht hätten. Aber wahrscheinlich hätten sie dasselbe getan, wie du: weiter beobachten, sich schlecht fühlen, den Impuls innerlich aufschreien lassen und weiter beobachten.

Es ist menschlich und erklärbar. 

Dieser Artikel soll hier wertfrei versuchen Licht ins Dunkle zu bringen. 

Territoriumbewusstsein

Menschen sind eher bereit ihr Haus oder Wohnung zu verteidigen als draußen auf der Straße gegen jemanden zu kämpfen.

Schüler intervenieren leichter in eskalativen Streitereien auf dem Schulhof, als auf dem Nachhauseweg. 

Das liegt an einem sehr alten Denken, dass in Urzeiten dazu beitragen hat, das Überleben der Gruppe zu sichern. Es ist das, was wir als „meins“ bezeichnen und das wir zu verteidigen bereit sind. 

Das eigene Haus ist daher wichtiger als irgendeine Situation auf der Straße. Der Schulhof wichtiger als der Nachhauseweg. 
Menschen fühlen sich nicht zuständig für Situationen, die außerhalb ihres Gebietes sind.

Wenn diese Gebiete dann auch noch heruntergekommen sind, sinkt die Bereitschaft, sich zu kümmern um weitere Punkte.

Übrigens eines der Gründe, warum Bahnhöfe öfter zu Tatorten werden als schöne, gepflegte Parks.

Täter und Tätergruppen nutzen dieses Denken, um ihre Dominanz zu festigen. Sie übernehmen Räume wie z.B. Straßen, Parks, Zugabteile oder auch Teile davon, um sie zu „ihrem“ zu machen.

Alle anderen Anwesenden, sind dann auf einmal nicht mehr im „öffentlichen Raum“, sondern im Raum der Gruppe XY. Zwar nicht rechtlich, aber das ist in diesem Moment irrelevant. Wir sind gefühlt Fremde in einem gewaltsam besetzen Raum.

Dieses Besetzen eines Raumes kann man sogar noch weiterführen. 

Nehmen wir einmal an eine Gruppe von drei Männern hat sich ein Wagenabteil durch ihr lautes, dominantes und aggressives Auftreten zu eigen gemacht. Jetzt suchen sie weiter nach ihrem Opfer, um ihre Macht weiter zu festigen.. Wenn sie sich eine Person ausgeguckt haben, dringen sie weiter in dessen Raum ein, um wiederum diese Person dominieren und „besetzen“ zu können. Das Ziel sind in der Regel z.B. Konsumgüter wie Handys oder auch Geld. Das Opfer wird so sehr unter Druck gesetzt und auch herabgesetzt, dass es zum Schluss entweder schwer verletzt ist, weil es sich verweigert hat oder es ist sein Handy einfach los. Oder beides. 

Territoriumbewusstsein wird von den Tätern nicht im wissenschaftlichen Sinne bewusst genutzt, sondern ist ein uraltes Mittel, um ein Vakuum wie einen „öffentlichen Raum“ zu füllen, indem man es einfach als „,meins“ deklariert (z.B. wie der „Wilde Westen“ in den USA)

Die Anwesenden merken zwar, dass es falsch ist, zögern aber in der Regel, sich dagegen aufzulehnen, weil die Angst zu groß wird, einem bereits dominanten „Oberhaupt“ die Stirn zu bieten. 

Es wird dann eher der eigene Raum geschützt, um möglichst heil aus dieser Situation herauszukommen. Der eigene Raum ist noch „meins“.

Schutz wird durch „Unterwerfung“, z.B. weiterhin Still sein und weggucken, erreicht.

Stammesbewusstsein

Hinzu kommt meistens noch das Stammesbewusstsein. Wir sind bereit, die Menschen zu schützen, die uns wichtig sind. Im Allgemeinen sind das bei Erwachsenen ca. 150 Menschen, de wir zu unserem „Stamm“ zählen. In extremen Fällen springen wir für diese Menschen helfend zur Seite. 

Kinder sind da übrigens weitaus selektiver. Sie beziehen sich nur auf den wirklich engen Kreis ihrer Familie (Mutter, Vater, Geschwister, Großeltern). 

Anderen Menschen zu helfen, steht nicht in unserem Protokoll. 

Stell dir mal vor, in diesem Zugabteil würden auf einmal alle 10-20 Menschen aufstehen und sich gegen die Tätergruppe von 3 Männer stellen. Der Raum wäre sofort zurückerobert und die drei Männer hätten ihre Macht sofort verloren.

Aber es gibt kein „wir“, wenn die Territoriumeroberung schon zu weit gegangen ist. 

Die Territoriums“eroberung“ bei dem Opfer ist uns in diesem Fall dann, evolutionär gesprochen, auch egal. Er gehört nicht zu „uns“. Warum also einschreiten? Auch wenn wir wissen (!), dass hier Unrecht geschieht. Unsere Angst zu überwinden ist viel zu schwer und wenn wir gar Todesangst haben unmöglich.

Heute

Beides, das Territorium- und Stammesbewusstsein ist heutzutage nicht mehr so sehr ausgeprägt, wie zu Urzeiten. Wir haben mittlerweile verstanden, dass wir Gesetzte haben und Regeln im Umgang mit anderen Menschen pflegen sollten. Trotzdem fallen wir auf dieses archaische Denken schnell wieder herein, wenn es zur Anwendung kommt. Dass wir hier im Zwiespalt sind, helfen zu wollen und es dann doch lassen, zeugt von unserer Entwicklung. Aber über Jahrhunderte antrainiertes und weitergegebenes Denken und Verhalten lässt sich nicht so einfach abstreifen.

Es braucht schon eine bestimmte innere Haltung, äußere und innere Wahrnehmung und Angstbeherrschung, um in solchen Situationen, wie die im imaginären Zugabteil, einzuschreiten. 

Aber auch hier muss man weiterhin auch taktisch denken. Allein gegen eine Gruppe von Menschen zu bestehen, ist sehr schwierig bis unmöglich. Man sollte sich immer Hilfe holen, bevor man sich in Gefahr begibt. Das Einschreiten in hitzigen Situationen muß immer konstruktiv sein, um eine Eskalation zu verhindern bzw. sie schnell einzudämmen.

Wir nehmen heute immer mehr wahr, wo überall Gewalt herrscht: an Schulen, in Ländern, Haushalten, gegen ethnische Gruppen, Völker, Religionen, Geschlechter etc. Und wir haben eine Meinung zu Gewalt. Die alten Prinzipien des Schützens der eigenen Leute im eigenen Raum ist aber tief in unserem Bewusstsein verankert.

Und sie werden immer noch angewandt und wir reagieren darauf.

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