Das Problem mit der Selbstverteidigung in den Sozialen Medien

Es gibt ein Problem mit der Selbstverteidigung in den sozialen Medien. 

Und ja, wer mich kennt, weiß, dass ich öfter darüber spreche. Der Grund ist einfach:

In den sozialen Medien geht es um Klicks und Reichweite, in der Selbstverteidigung um dein Leben. 

Nun sind das für den einen oder anderen Influencer keine unterschiedlichen Ansichten, aber für uns Normalos sind die Unterschiede ziemlich gravierend.

Das Problem mit der Selbstverteidigung in den Sozialen Medien

Um eines vorweg zu sagen: nicht alles auf den sozialen Kanälen ist schlecht. Bei weitem nicht. Aber bevor man sich etwas aussucht und es übernimmt, sollte man immer überlegen, ob das überhaupt möglich ist, was dort gezeigt wird oder ob es einfach nur cool, weil aggressiv und dominant, aussieht.

Viele Techniken, die man beispielsweise auf YouTube oder auch TikTok sieht, verlassen sich auf drei Dinge: Schnelligkeit, Kraft und Präzision. Das soll vermitteln, dass man a) einen Angriff schnell in den Griff bekommen kann und b) dass man überlegen ist, wenn man diesen gezeigten Style gelernt hat.

Schnelligkeit, Kraft und Präzision haben aber ein paar entschiedene Nachteile. 

a) Was ist, wenn der Gegner stärker ist? Und das kann durchaus vorkommen. In der Regel ist der Gegner es auch, wenn er sich vorab bewusst entschieden hat, ein Opfer zu suchen. Schließlich will er dominieren und nicht allzu viel Arbeit (aka Gegenwehr) haben.

b) Was ist, wenn ich überrascht werde von einem Angriff? Auch das ist im Bereich des Möglichen. Ich bin ein Mensch und habe nicht immer meine Antennen an bzw. bin abgelenkt durch andere Gegebenheiten.

c) Es wird mir nicht möglich sein, präzise Bewegungen auszuführen. Wenn ich in der Trainingshalle „attackiert“ werde, weiß ich i. d. R., was da auf mich zukommt. Es ist dann ziemlich leicht, beispielsweise daraufhin eine Hand zu greifen und einen Hebel zu setzen. In der Realität ist das anders: Ich kenne meinen Gegner und seine Bewegungsmuster nicht. Ich befinde mich in einer vollkommen anderen Umgebung und es wurde auch nichts im Vorfeld besprochen. Dem Ganzen noch „on top“ gesetzt, wird mein Körper Mengen an Adrenalin ausschütten und meinen Körper in einen Kampfmodus versetzen, um zu überleben. Wenn ich in diesem Stadium bin, ist es mir nicht mehr möglich feinmotorische Bewegungen, wie das Greifen einer Hand, auszuführen. Allein biologisch sind hier schon Grenzen gesetzt.

Krav Maga Unterricht momentan bei mir

Momentan gehen wir gerade bei mir im Unterricht Messerattacken und die Antworten darauf durch.

Gestern Abend habe ich den Teilnehmern einfach die Aufgabe gegeben, sich in 2er-Gruppen gegenseitig zu attackieren, mit Messern (einer greift an, der andere verteidigt). Es gab keine Vorgaben, wie das Messer zu führen sei und es wurde alles vermischt: zustechen, schneiden, schwingen etc. 

Und obwohl die Situation gestellt war (keine Überraschung), hätte es in vielen Fällen Schwerverletzte gegeben, wäre es die Realität gewesen. Wir haben dann Tempo herausgenommen, um das Gehirn an schnelle Bewegungen zu gewöhnen, damit man reagieren lernt, mit den Techniken, die man zuvor gelernt hat bzw. diese der Situation anzupassen. 
Ebenso haben wir über den Follow-up (was passiert nach dem Block?) gesprochen und haben auch nicht so kräftige gegen kräftige Teilnehmer antreten lassen. 

Präzision ist nicht möglich. Es geht darum zu reagieren, mit dem, was wir haben. Warum bei einem Messerangriff zum Bauch (stechen) nach einem Handgelenk greifen, mit der hohen Wahrscheinlichkeit, dass ich daneben greife, wenn ich den attackierenden Arm mit meinem Arm blockieren kann und dann ein Follow-up zu gestalten? Warum ein Risiko eingehen? 


Die sozialen Medien leben von Bildern

und wir lassen uns von Bildern beeinflussen. Zudem gibt es immer den Wunsch, eine Antwort auf eine Frage zu erhalten bzw. die eine Technik für den einen Angriff. 

Es tut mir leid, aber so läuft es nicht. Wir müssen lernen, zu reagieren, auf Grundlage unserer biologischen Voraussetzungen. Nicht jeder ist groß, athletisch und hat das Auge und die Reflexe eines Bruce Lees. 

Wir müssen eher lernen, wie eine Lokomotive über unseren Angreifer zu rollen. Schilde hoch und durch und dann den Exit-Point aus dem Konflikt nutzen. 

Es muss nicht gut aussehen. Wir müssen das möglichst heil überstehen, um dann nach Hause zu kommen. 

Prinzipiell würde ich, wenn ich das sagen habe, solche Video nicht veröffentlichen. Techniken zu zeigen auf YT, TikTok etc. hat den einzigen Zweck des Betreibers, damit Klicks und Geld zu machen. Der fade Beigeschmack ist, daß viele glauben und nacheifern, was dort gesagt hat.

Prinzipiell würde ich äußerst vorsichtig sein bei Titeln wie „Tue das, wenn du so und so angegriffen wirst“ o.ä.

Es gibt in der Selbstverteidigung nicht „DIE“ Antwort. Selbstverteidigung bedeutet viel zu lernen, sich im Konflikt anzupassen und einen Kampf möglichst zu vermeiden, weil man dabei selbst verletzt werden wird.

Die Kraftanlage in Harrislee bei Flensburg

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Selbstverteidigungsunterricht und Krav Maga Training sind aus meiner Sicht essentiell. Der Mensch muß in der Lage sein, sich psychisch und physisch zur Wehr zu setzen. 

Nun sind solche Prozesse immer eine Entwicklung, die mitunter lange dauert. In meinen 2 Tage dauernden Seminaren, sollen Sie deshalb zum einen eine Idee bekommen, wie sich sich in Zukunft in ihrem Leben bewegen können und sollten und zum anderen, Konzepte und Prinzipien lernen, die Ihnen helfen werden, Gefahren schon im Vorfeld zu erkennen und zu umgehen bzw. in einer Konfrontation sich besser behaupten zu können.

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