Der OODA Loop – Hilfe bei Entscheidungsfindung unter extremen Bedingungen

Der OODA Loop ist ein 4-stufiger Prozess, den man anwenden kann, wenn man unter extremen Bedingungen Entscheidungen fällen muß. Er ist urspünglich von John Boyd für das Militär entwickelt worden, so daß man sagen kann, es funktioniert. Ansonsten wäre der OODA Loop nicht weiter verwendet worden, da es bei Militär bzw. im Gefecht um vielseitige Komponenten geht, die wichtig sind.

Der OODA Loop ist ein mentales Modell, daß ursprünglich Piloten helfen sollte in extrem gefährlichen Situationen Entscheidgungen zu treffen. Man kann es aber auch auf den Alltag und in unserem Fall auf die Selbstverteidigung anwenden.

Man darf auf keinen Fall das „Loop“ vergessen, also die „Schleife“, die sich ständig wiederholt und man sich immer wieder den neuen Gegebenheiten anpassen muß und seine Handlungen immer wieder revidieren muß. Das hilft in verwirrenden und chaotischen Situationen im rationalen Denken zu bleiben

„Was ist Strategie? Ein mentaler Wandteppich mit sich ändernden Absichten zur Harmonisierung und Fokussierung unserer Bemühungen als Grundlage für die Verwirklichung eines Ziels oder Zwecks in einer sich entfaltenden und oft unvorhergesehenen Welt vieler verwirrender Ereignisse und vieler kämpfender Interessen.“ -John Boyd

Der OODA LOOP

Der OODA Loop

OODA steht für

  • Observe – Beobachten
  • Orient – orientieren
  • Decide – Entscheiden
  • Act – Handeln

Diese vier Punkten werden immer wieder durchlaufen („Loop“) und helfen so eine rationale Strategie zu erarbeiten bis der Konflikt beendet ist.

Observe – Beobachten

Der erste Schritt ist es, die Situation zu beobachten, um ein möglichst komplettes Bild zu erhalten.

Hier möchte man Antworten auf Fragen erhalten, die die Grundlage bilden für weitere Schritte. Diese Fragen sind z.B.

  • Was betrifft mich sofort?
  • Was beeinflusst meinen Gegner?
  • Was könnte sich später auf einen von uns auswirken?
  • Kann ich irgendwelche Vorhersagen treffen?
  • Wie genau waren meine vorherigen Vorhersagen?

Die Beobachtungsstufe erfordert die Umwandlung von Informationen in ein Gesamtbild mit übergreifender Bedeutung, die man in einen Kontext stellt.

Eine besonders wichtige Fähigkeit ist die Fähigkeit zu erkennen, welche Informationen nur Lärm und irrelevant für die aktuelle Entscheidung sind.

Für eine gute Entscheidungsfindung muß man in der Lage sein, seine Umgebung genau im Blick zu haben.

Mit Umgebung meine ich z.B. neben den räumlichen Bedingungen auch zeitliche, örtliche und auch metereologische Bedingungen. Es können aber auch Vorschriften, Beziehungen zu anderen Menschen und auch mein momentaner geistiger Zustand sein.

Es geht halt nicht nur darum zu erkennen, daß ich in einer Strasse stehe, sondern auch wie mein Gegner und ich sich in alles (!) i dieser Strasse einflechten.

Orient – orientieren

Orientierung ist nicht ein aktuter Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Wir orientieren uns ständig.

Aber was ist damit gemeint?

Sich zu orientieren bedeutet, alle Barrieren zu erkennen, die beim OODA Loop stören könnten.

Orientierung bedeutet, sich mit der Realität zu verbinden und un-geschönt die Situation zu beobachten. Das ist per se nicht einfach und bedarf Übung, da sich unsere Kognition Situationen gerne besser gestaltet, als sie tatsächlich ist, und wir Dinge auch nicht wahrhaben wollen wie sie sind.

Eine richtige Orientierung kann aber dazu führen, einen anfänglichen Nachteil, z.B. durch fehlende Ressourcen oder wenigen Ressourcen zu überwinden, um dann den Gegner zu überlisten.

Boyd hat hier vier Haupthindernisse identifiziert, die unseren weiteren Loop behindern können und so in die Beobachtungsschleife hineingehört:

  1. Unsere kulturellen Traditionen – wir wissen nicht, wie viel von dem, was wir als universelles Verhalten betrachten, tatsächlich kulturell vorgeschrieben ist
  2. Unser genetisches Erbe – wir alle haben bestimmte Einschränkungen
  3. Unsere Fähigkeit, zu analysieren und zu synthetisieren – wenn wir unsere Denkfähigkeiten nicht geübt und entwickelt haben, neigen wir dazu, auf alte Gewohnheiten zurückzugreifen
  4. Der Zustrom neuer Informationen – es ist schwer, Beobachtungen zu verstehen, wenn sich die Situation ständig ändert

Sich zu orientieren bedeutet, sich in chaotischen Situationen aus verschiedenen Disziplinen bedienen zu können, diese zu kombinieren und zum Einsatz zu bringen. Die Disziplinen bestehen aus Kentnissen aus allen Bereichen, die wir kennen (mathematisch, physikalisch, psychologisch etc.)

Decide – Entscheiden

Es gibt keine Überraschungen. Entscheide.

Aufgrund der Informationen, die man in den vorherigen Schritten gesammelt hat, bietet sich nun die Gelegenheit eine fundierte Entscheidung zu treffen. Sollten sich mehrere Möglichkeiten auftun, muß man auf Grundlage der ersten beiden Schritte, sich eine Entscheidung aussuchen.

Es ist wichtig, daß dieser Teil der Schleife flexibel bleibt, da wir im Falle einer falschen Entscheidung unsere Fehler erkennen und korrigieren sollten, laut Boyd.

Die Implikation ist, dass wir die Entscheidungen, die wir an dieser Stelle treffen, testen sollten, ihre Fehler erkennen und alle Probleme in zukünftige Beobachtungsphasen einbeziehen sollten.

Act – Handeln

Es gibt einen Unterschied zwischen Massnahmen ergreifen und Massnahmen ausüben. Wenn man sich sich entschieden hat, Massnahmen auszuüben, sollte man loslegen und in Aktion treten.

Indem man Massnahmen ausübt, testet man seine Entscheidungen. Sobald man sich entschieden hat, ist es an der Zeit Massnahmen zu ergreifen.
Die Ergebnisse werden einem Informationen liefern. Diese Informationen können auch wieder zu Punkt 1 des OODA Loops zurückführen.

Warum der OODA Loop funktioniert

Absichtliche Geschwindigkeit

In gefährlichen Situationen müssen wir eine Menge an Daten durcharbeiten, Vor- und Nachteile abwägen und jeden verfügbaren Weg durchdenken. Das ist äußerst schwer und als Menschen sind wir nicht gut dafür in Stresssituationen Entscheidungen zu treffen. Durch den OODA Loop sind wir in der Lage dazu.

Geschwindigkeit ist ein entscheidendes Element in der Selbstverteidigung. Im Alltag haben wir hier mehr Zeit Dinge zu durchdenken (LINK.)

Boyd betonte hier auch, wie wichtig es ist, entschlossen zu sein, die Initiative zu ergreifen und autonom zu bleiben. Dies sind universelle Vermögenswerte und gelten für viele Situationen.

Komfort mit Unsicherheit

Es gibt keine vollkommene Sicherheit und Gewissheit. Wir empfinden Unsicherheit immer als Risiko, was es aber selten ist. Hier trickst uns unser Gehirn aus, um in seiner Komfortzone bleiben zu können.

In der Selbstverteidigung sind wir immer mit Situationen konfrontiert. in denen wir Lücken an Informationen haben oder auch Defizite in unserer eigenen körperlichen Stärke etc. Diese vermeintlichen Nachteile müssen wir als Realität anerkennen und akzeptieren.

Unsicherheiten sind irrelevant, wenn wir die richtigen Filter haben.

Wenn wir mit Unsicherheit sind klar kommen, hängen wir an der Beobachtungsphase fest. Das kann passieren, wenn wir eine Entscheidung treffen müssen, aber zu viel Angst vor dieser haben, dann müssen wir uns mehr Informationen holen. Wenn wir Zeit haben, müssen wir dann Bücher lesen, Seminare besuchen etc.

Unter Unsicherheit zu handeln ist unvermeitlich. Wenn wir aber die richtigen Filter haben, können wir Unsicherheit in die Beobachtungsphase einbeziehen.

Wir können die Elemente erkennen, die unter unserer Kontrolle liegen, und diejenigen, die nicht.

Unberechenbarkeit

Wenn wir schnell genug handeln, betrachten uns die Menschen als unberechenbar. Sie denken so, weil sie unsere Logik im Handeln nicht herausfinden.

In der Selbstverteidigung ist es sinnvoll, unvorhersehbare Wechsel im Tempo und Richtung vorzunehmen.

Wir sollten in einem schnelleren Tempo arbeiten als unsere Gegner oder innerhalb der Zeitskalen unserer Gegner. …Solche Aktivitäten werden uns mehrdeutig (nicht vorhersehbar) erscheinen lassen [und] dadurch Verwirrung und Unordnung unter unseren Gegnern erzeugen.“ (John Boyd)

Der OODA Loop kann endlos verwendet werden, da es sich um eine formlose Strategie handelt, die nicht mit bestimmten Manövern verbunden ist.

 Im Sport gilt das Gleiche.

Beispiel Fußball: Wenn wir in der Lage sind, wendig zu sein, die sich ständig verändernde Umgebung zu bewerten und sich schnell anzupassen, werden wir immer den Vorteil gegenüber allen Gegnern haben.

Wie wendet man den OODA Loop an?

Beginne mit der Anwendung des OODA-Loops auf Deine täglichen Entscheidungen und beobachte, was passiert.

Du wirst anfangen, Dinge zu bemerken, die Du vorher nicht bemerkt hättest.

Bevor Du zu Deiner ersten Schlussfolgerung kommst, halte inne, um Deine Vorurteile zu berücksichtigen, zusätzliche Informationen aufzunehmen und mehr über die Konsequenzen nachzudenken.

Je mehr du übst, desto besser wirst du. Wir sind abhängig von sich wiederholenden Prozessen. So lernt der Mensch unter anderem am Besten.

Du wirst anfangen, bessere Entscheidungen zu treffen und dein volles Potenzial auszuschöpfen. Du wirst schnellere Fortschritte sehen. Und wie John Boyd schreiben würde, wirst du anfangen, etwas in deinem Leben zu tun und nicht nur jemand zu sein.

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