Warum wir umdenken müssen in der Selbstverteidigung

Wenn ich über Selbstverteidigung rede kommt meistens immer der Einwurf meines Gegenübers, daß er oder sie ja auch mal Jiu Jitsu o.ä. gemacht hat.

Oder es kommt der Einwand, daß es nichts für die-/denjenigen sei. Zuviel Gewalt, blaue Flecken, Schmerz…

Beides hat seine Berechtigung. Aber beides ist auch vollkommen falsch bzw. wird falsch wahrgenommen.

Dazu möchte ich heute etwas schreiben, denn ich bin generell der Meinung, daß jede und jeder in der Lage sein muß (!) sich selbst zu verteidigen. Leider ist das bei einer Vielzahl der Menschen aber nicht der Fall, weil wir Gewalt und Aggressionen schon gar nicht mehr richtig wahrnehmen.

Kampfsport vs. Selbstverteidigung

Judo, Karate, Jiu Jitsu oder jegliche andere asiatische Form des Kämpfens ist in der heutigen Zeit nicht mehr als Selbstverteidigung anzusehen.

Ja, ich weiß, es wird oft als Selbstverteidigung verkauf und angeboten. Und das war es auch einmal. Früher.

Also, vor wirklich vielen Jahrhunderten.

Und jede dieser Systeme wurde irgendwann nicht mehr weiterentwickelt und deshalb zu einem Sport umgewandelt. Auch ist es besser eine Kampfsportart zu lernen, als gar nichts zu können.

Aber es ist nunmal kein Selbstverteidigungssystem mehr. Man versucht sich stattdessen zu messen, Punkte zu machen und der Bessere zu sein.

Selbstverteidigungssysteme wie Krav Maga passen sich den Zeiten an (zumindest in den guten Verbänden) und versuchen v.a. Wege zu finden, sich a) gar nicht erst in so eine Situation zu begeben und b) wenn es zu einer Konfrontation kommt, nur soviel zu machen, damit man sich aus der Situation herauslösen kann.

Es geht nicht darum seinen Gegner zu besiegen. Es geht um das Überleben einer gewalttätigen Situation.

Deshalb sind Einwände, man habe schon Erfahrung durch Judo o.ä. im Sinne der Definition eines Selbstverteidigungssystems nicht korrekt.

Warum wir umdenken müssen bei der Selbstverteidigung

Du lebst gewaltfrei?

Der Punkt, daß man sich nicht mit Krav Maga o.ä. auseinandersetzen will, weil es entweder zu gewalttätig ist oder man es nicht braucht, weil man nichts mit Gewalt zu tun hat, ist auch eine falsche Annahme.
Fast jeder von uns hat jeden Tag mit Übergriffen, Aggressionen und Gewalt zu tun. Das Problem ist, daß wir uns schon so sehr daran gewöhnt haben, daß wir es nicht mehr bewußt merken. Allerdings unbewußt, wenn wir dauerhaft gestresst sind etc.

Jetzt ist aber nicht jeder von uns jeden Tag in einem körperlichen Clinch. Das was wir aber jeden Tag über uns ergehen lassen, ist psychische Gewalt, psychische Aggressionen und auch Übergriffe. Und wir merken es nicht mehr bzw. tun nichts mehr dagegen.

Nur ein Beispiel.

Durch unsere schnelle Kommunikation und unsere ewige Erreichbarkeit vermischen sich zunehmend Privat- und Berufsleben. Es kommt wohl öfter vor, als man denkt, daß man an einem Sonntagnachmittag in seiner Freizeit wütende eMails oder Nachrichten von seinem Vorgesetzen bekommt. Dinge, die eigentlich bis zum nächsten Werktag warten könnten.

In der Pflege ist es z.B. gang und gebe, daß Kollegen und Vorgesetzte einen in der Freizeit anrufen, um zu fragen, ob man nicht einspringen kann. Wenn man verneint, wird der dezente Hinweis, man habe ja Minusstunden, hinterhergeschoben, um noch mehr Druck aufzubauen. Druck in diesem Sinne, da wir emotional gesteuert sind und natürlich um die Lage in den Krankenhäuser wissen und natürlich man nicht jemanden hängen läßt.

Nur ewiges Einspringen hilft nicht die Situation, daß wie in diesem Falle, Personal fehlt, zu lösen. Ganz im Gegenteil, man verschärft sie nur noch mehr, da es ja trotzdem „läuft“.

Für den betroffenen Menschen, bedeutet aber jeder berufliche Anruf, jede eMail oder Nachricht in der Freizeit Stress und versetzt einen auf Dauer in einen Alarmmodus, aus dem man nur schwer wieder herauskommt, weil man sich in eine emotional Abhängigkeit (oft auch gepaart mit der Angst um den Job) begeben hat.

Das ist per se Gewaltausübung.

Nur wollen wir sie nicht wahrhaben, weil wir uns langsam daran gewöhnen. Wir agieren schließlich wie Junkies, die auf ihren nächsten Schuß warten, nur das wir jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, glauben, es sei die Arbeit.

Gewalt ist in allen Teilen der Bevölkerung vorhanden. Tagtäglich. Und ein gewisses Maß an Gewalt erträgt jede und jeder, aber die wenigsten sagen irgendwann, daß es reicht.

Selbstverteidigung

Selbstverteidigung ist so viel mehr, als Techniken zur körperlichen Abwehr.

Es hat eine physische und psychische Komponente und es soll uns gesund halten.

Angriffe erfolgen jeden Tag auf allen Ebenen. Viele Angriffe zielen darauf hinaus, unsere Deckung auszuhöhlen und zu untergraben. Sie sind hinterlistig und nutzen unsere Stärke, die gleichzeitig unsere Schwäche ist, erbarmungslos aus. Unsere Emotionen.

Selbstverteidigungstraining zielt deshalb immer darauf aus, den Körper und den Verstand zu schulen. Nicht nur, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, sondern dann, wenn der Angriff beginnt oder schon davor.

Dafür müssen wir aber wissen wie Dinge funktionieren.

Prinzipiell ist es bei jedem von uns möglich, daß wir zu Tätern werden, genauso wie zu Opfern. Wobei natürlich unterschieden werden muß zwischen kriminellen Tätern und nicht-kriminellen Tätern.

Wenn wir aber erkennen, welche Mechanismen wir nutzen und auch wie kriminelle Täter arbeiten, haben wir eine gute Basis, um Situationen im Vorfeld zu erkennen, sie zu vermeiden oder zu entschärfen. Das wir selbst zurückschlagen müssen, verbal oder körperlich, sollte immer nur das letzte Mittel der Wahl sein.

Daher müssen wir anfangen, Selbstverteidigung neu zu denken, damit wir uns sicher in unserer Welt bewegen können.

Und wir müssen uns von Vorurteilen und Behauptungen lösen, die heute keinen Bestand mehr haben.

Davon einmal abgesehen, muß Selbstverteidigungstraining nicht brutal und anstrengend sein. Es sollte Unterricht sein.

Wenn Du in Flensburg und Umgebung Selbstverteidigung lernen möchtest, kannst du dich hier erkundigen.

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