Vorbereitet oder paranoid?

Ich glaube es liegt daran, daß ich Krav Maga lehre und lerne, warum einige Menschen mich für paranoid halten.

Und ich kann den Gedanken sogar nach vollziehen.

Ich verbringe Stunden am Tag damit, mich mit Situationen auseinander zu setzen, die die meisten von Euch niemals erleben werden. Ich versuche zu verstehen, warum Angriffe und Übergriffe passieren und versuche mehr Informationen zum Tathergang zu erlangen, damit ich weiß wie Menschen ticken, die anderen Schaden zufügen wollen.

Das ist zum einen meine Arbeit, aber auch meine Leidenschaft und Teil meines Wesens.

Ich bin gerne vorbereitet.

Krav Maga Blog: Paranoid oder vorbereitet

Schon in der Schule habe ich mich immer konstant darauf vorbereitet schlechter abzuschneiden in einer Klausur, als es wahrscheinlich die Realität war. Selbst wenn ich mit einem guten Gefühl die Arbeit abgegeben habe, war für mich eine schlechtere Note ok. Und wenn ich besser abgeschnitten hatte, habe ich mich gefreut.

Warum habe ich das getan?

Ich versuchte trotz allem Übens und der eigentlichen Gewissheit, daß ich in der Klausur gut abschneiden werde, mich emotional auf ein Disaster einzustellen. Die Wahrscheinlichkeit war zwar gering, aber sie war da.

Und genauso ist es mit Angriffen, Überfällen etc. Die meisten von uns werden zum Glück niemals damit in Berührung kommen. Sie werden höchstens davon lesen.

Aber was, wenn doch?

Wenn ich etwas Unbekanntes vor mir habe, macht es mir erst einmal Angst und ich werde unsicher. Wenn ich aber mich im Vorfeld damit beschäftigt habe, mich aktiv dazu gebracht habe etwas darüber zu lernen, wird die Unsicherheit verschwinden und die Angst zumindest reduziert.

Es gibt einen Grund, warum ich nach fast 20 Jahren Arbeit auf einer geschlossenen psychiatrischen Station bislang ohne Verletzungen nach Hause gegangen bin, im Vergleich zu Kollegen, die weitaus kürzer dort arbeiten. Ich habe es meistens geschafft durch präventive Massnahmen schlimmeres zu verhindern. Und bei einem Übergriff konnte ich immer die Oberhand behalten, indem ich aktiv die Situation erkannte und die richtige Lösung fand.

Und auch hier werde und wurde ich oft als paranoid angesehen bzw. man fand ich „übertreibe“. Aber ich bin gesund geblieben.

Traumata sind nach Attacken häufig der Fall, mit denen sich die, die sich wehren mußten, zu kämpfen haben. Unabhängig davon, ob sie erfolgreich waren oder nicht.

Daher ist für mich die Auseinandersetzung mit Gewalt und Aggressionen keineswegs paranoid. Es ist die Vorbereitung auf Dinge und aktives Lernen dagegen, die mir Angst machen.

Das Leben kann einen an Orte bringen, die einem unheimlich sind. Wir sollten uns damit auseinandersetzen, damit wir schnell wieder dorthin kommen, wo es gut ist.

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