Wie wir natürliche Prozesse im Gehirn für unseren Vorteil nutzen können

Eines der Dinge, die mich von Anfang an beim Krav Maga fasziniert haben, war die Verwendung natürlicher, reflexiver Bewegunge und Reaktionen. 

Die Anwendung und Verwendung unserer evolutionär mitgegebenen Verteidigung, um mit bestimmten Angriffen umzugehen, sind letzten Endes die ausschlaggebenden Argumente gewesen, um eben mit diesem Verteidigungssystem zu beginnen und es zu lernen.

Der Unterschied in den Kampfkunst und Selbstverteidigungssystemen

Während viele andere Kampfkunst- und Selbstverteidigungssysteme versuchen, den Trainierenden dazu zu bringen, ihre Bewegung einer künstlich geschaffenen Reaktion anzupassen, arbeitet Krav Maga auf der Grundlage dessen, was man tun wird und nicht, was man tun sollte.

Wenn also beispielsweise ein Ball auf uns geworfen wird, reißen wir instinktiv die Arme hoch. Dieses Verhalten machen wir uns in einer Verteidigungssituation zunutze.

Es gibt aber auch auf einer anderen Ebene Möglichkeiten, die unsere Erfolgschancen in einer Verteidigungssituation erhöhen können. 

Wenn es beispielsweise um eine Waffenbedrohung geht, ist es wahrscheinlich, dass man zu irgendeiner Form des Dialogs kommen wird. Damit ist gemeint, dass der Räuber nach der Brieftasche fragt oder der Entführer sagt, dass man sich bewegen soll etc. 

In bestimmten Situationen und Kontexten ist es angemessen, sich dann mit dem Angreifer zu unterhalten. 

Was man sagt und wie man es sagt, kann einem Informationen liefern, die uns helfen werden, die Absicht zu erkennen und ggf. gezielter Gewalt anzuwenden. 

Auf der anderen Seite , kann die Art und Weise, was man sagt, Möglichkeiten zum Handeln schaffen und die Chancen erhöhen, dass eine physische Lösung, die man mitunter einsetzen muss, erfolgreich sein wird.

Wie unser Gehirn arbeitet

Unser Gehirn verabscheut ein Vakuum. Wenn es keine Information bekommt, wird es sich mit seiner besten Vermutung füllen, d.h. viel von dem, was wir sehen, ist nicht wirklich das, was da ist, sondern das, was unser Gehirn für uns auf der Grundlage früherer Kontexte und Erfahrungen kreiert hat. 

Ein Großteil des peripheren Gesamtbildes das wir sehen, ist für uns aufgebaut und konstruiert. Und wir alle haben physische, blinde Flecken, die unser Bewusstsein ausfüllt, damit wir ein ununterbrochenes Gesamtbild sehen können. 

Das Gleiche macht das Gehirn mit Geräuschen und führt eine sogenannte phonetische Wiederherstellung durch, bei der es Geräusche, die außerhalb des Kontextes liegen, durch Geräusche ersetzt werden, die in den Kontext passen. Das bedeutet, wenn ein Teil eines Wortes auf eine bestimmte Weise klingen sollte, dies aber nicht der Fall ist, ersetzt unser Gehirn automatisch den falschen Klang durch den richtigen. 

Unser Unterbewusstsein tut es, bevor es das rekonstruierte Wort an unser Bewusstsein weitergibt. 

Da wir nie wirklich im tatsächlichen Moment leben und immer auf das reagieren, was wir sehen und hören, wendet unser Gehirn bestimmte Techniken an, um zu versuchen, uns der Realität möglichst nahezubringen. 

Wenn uns jemand beispielsweise eine Frage stellt, versucht unser Gehirn anhand früherer Erfahrung vorherzusagen, was gesagt werden wird, z.B. wenn wir, nach dem wir unser Portemonaie einem Räuber übergeben haben und dieser nicht sofort geht, sondern bleibt, ihn zu fragen „Gibt es etwas, das …?“

Unser Unterbewusstsein füllt den Rest der Wörter bereits automatisch aus, zum Beispiel mit“ Gibt es etwas, das ich noch für Sie tun kann?“

Was können wir tun?

Das bedeutet, dass der Angreifer beginnt, den gesamten Satz beziehungsweise die Gesamtfrage bewusst zu verarbeiten, bevor wir ihn beendet haben. Wenn wir unsere Verteidigungs- und Körperbewegung zum Zeitpunkt der aussprechenden dritten Silbe ausführen, tun Sie dies gleichzeitig, wenn ihr Angreifer beginnt die gesamte Frage zu verarbeiten. D.h. unsere Aktion wird stattfinden, wird er geistig beschäftigt ist und somit zur Überraschung des Angreifers.

Indem wir die natürliche Reaktion unserer Angriffe gegen sie nutzen, können wir unsere Überlebenschancen erhöhen. Gleichzeitig müssen wir erkennen, wie jemand diese Dinge gegen uns verwenden könnte, also etwa mitten im Satz ein Angriff starten, wenn wir damit beschäftigt sind, seinen Dialog zu verarbeiten. Nur weil wir den Grund kennen, warum etwas funktioniert, heißt das nicht, dass andere solche Taktiken nicht aus ihrer eigenen Erfahrung gelernt haben. In jedem physischen Konflikt wollen wir jeden Vorteil, den wir ziehen könne, nutzen, insbesondere, wenn wir verhandeln, mit jemanden, der stärkeren Gewalt anwenden wird und erfahrener ist als wir.

Zu wissen, wie man die natürlichen Abwehrkräfte und mentale Prozesse des Körpers dagegen einsetzen kann, ist eine Möglichkeit, sich einen solchen Vorteil zu verschaffen …

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